22. September 2017
Rudolf Renner zu einem aktuellen Thema:

Schutz in schutzlosen Zeiten


Urlaub – wir sind in den Alpen unterwegs. Eine mehrtägige Tour von Hütte zu Hütte soll es werden. Alle nötigen Dinge sind im Rucksack verstaut, mehr können wir nicht mitnehmen. Manches können wir nicht beeinflussen, zum Beispiel das Wetter.

Wir hoffen sehr auf schönes, stabiles Wetter, damit die Tour Spaß macht und gelingt. Doch dann, am zweiten Tag, der Wetterumschwung. Wir sind schon unterwegs und können nicht mehr umkehren. Sehr schnell kommt das Gewitter näher, jetzt wäre ein Unterstand sehr willkommen. In letzter Minute erreichen wir eine Schutzhütte, dann bricht das heftige Gewitter los. Wir sind heilfroh, nun in diesem einfachen Unterstand zu sein, der uns Schutz, Sicherheit und Wärme gibt.

Ich sehe Menschen auf dem Mittelmeer auf der Suche nach einem sicheren, nach einem besseren Leben. Ich sehe die Nussschalen, in denen sie unterwegs sind, die ihnen kaum Sicherheit oder sogar Schutz gewähren. Ihr sehnsüchtiger Wunsch nach Schutz und Sicherheit geht mir unter die Hut – mir, der in sicheren und geschützten Räumen lebt. Was kann ich tun?

Ich bin mit PolizistInnen oder Polizisten auf Streife unterwegs. Ihr Job ist es, die Sicherheit von Menschen zu gewährleisten, ihnen ein geschütztes Leben zu ermöglichen. Doch ich höre, dass sie an ihre Grenzen kommen, immer wieder: zu wenig Personal, Überlastung, mangelnder Respekt. Da fragt sich mancher, was er oder sie überhaupt tut und ob das noch Sinn macht. Können sie den Schutz noch gewährleisten, der von ihnen erwartet wird?

„Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben“, heißt es in der Bibel, in Psalm 46. Das ist nun wahrlich kein Allheilmittel gegen Angst oder das Gefühl, dem Leben schutzlos ausgeliefert zu sein. Aber es drückt zum einen eine Sehnsucht von Menschen zu allen Zeiten aus: dass da etwas oder jemanden sein möge, der einem Schutz und Sicherheit gewährleistet. Diese Sehnsucht ist so alt wie die Menschheit selbst. Und es drückt eine Zuversicht, eine Gewissheit jüdischer und christlicher Menschen aus, dass Gott selbst so etwas wie eine Schutzhütte ist. Damit können sie den Nöten in ihrem Leben entschiedener und gestärkt entgegen treten. Damit sind diese Nöte und Ängste nicht weggezaubert, beileibe nicht. Aber es macht einen Riesenunterschied aus, ob diese Nöte es schaffen, mich kleinzumachen oder ob ich ihnen mit Kraft und Energie begegnen kann.

Martin Luther hat diesen Bibelsatz in seinem Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ verarbeitet und ihn damit in sein Leben hineingenommen. Am 28. September wollen wir bei einem Gottesdienst der Polizeiseelsorge diesen Satz in die Arbeitswelt der Polizei und in unser Leben hineinnehmen. Ich lade Sie herzlich ein, um 14.00 Uhr auf das Gelände des Landespolizeipräsidiums auf der Mainzer Str. 134-136 in Saarbrücken zu kommen und diesen Gottesdienst mitzufeiern.





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