11. November 2017
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Erinnerung


Eindrucksvoll, dass sich am vergangenen Donnerstag viele Menschen zu Mahnwachen (u.A. in Ottweiler) versammelt haben. 79 Jahre danach könnte ja mal Schluss sein, werden manche gesagt haben. Natürlich könnte Schluss sein. Aber mich beeindruckt es immer wieder, wie viele Menschen dafür sorgen, dass nicht Schluss ist.

Und ich bin davon überzeugt, dass der Blick in den Rückspiegel nicht nur beim Autofahren sinnvoll ist. Natürlich haben solche Mahnwachen heute eine andere Funktion als vor 50 Jahren als Viele der Täterinnen und Täter noch lebten.

Es darf dabei auch nicht um ein plumpes ‚Nie wieder‘ gehen. Aber es geht um die Erinnerung, welches unsagbare Leid aus der Mitte unserer Gesellschaft hervorgegangen ist. Und es geht darum, dass wir uns bewusst machen, dass vergleichbare Dinge wieder geschehen können. Und darum sind Mahnwachen so sinnvoll, dass wir auf uns selbst und aufeinander aufzupassen lernen.

Erinnerung ist ein Blick zurück, der den Blick nach vorne schärfen kann. Erinnerung darf nicht zum Selbstzweck werden, sie muss dienen. Der Mensch, der sich erinnert, kann lernen. Wer sich der Erinnerung verweigert, verweigert sich auch jeglichem Versuch dazu zu lernen.

 

 Losung für Samstag, den 11.11.2017:

Ich selbst will, spricht der HERR, eine feurige Mauer rings um Jerusalem her sein. Sacharja 2,9

Jesus spricht: Die Pforten der Hölle sollen meine Gemeinde nicht überwältigen. Matthäus 16,18

 

Im evangelischen Gesangbuch steht ein ganz besonderes Gebet (eg 879):

Versöhnungslitanei aus Coventry

In der Nacht vom 14./15. November 1940 zerstörte ein deutscher Bombenangriff die englische Stadt Coventry, die damit zum Zeichen eines sinnlosen und mörderischen Vernichtungswillens wurde. Nach dem Krieg wurde sie Ausgangspunkt einer weltweiten Versöhnungsbewegung mit dem Symbol des aus drei Nägeln der zerstörten Kathedrale gebildeten »Nagelkreuzes«. Die Ruine der Kathedrale wurde zum Begegnungszentrum. Hier wird jeden Freitagmittag die 1959 formulierte Versöhnungslitanei gebetet:

»Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.« (Röm 3,23)

Wir alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten. Darum lasst uns beten:

Vater, vergib!

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse:

Vater, vergib!

Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker, zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist:

Vater, vergib!

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet:

Vater, vergib!

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen:

Vater, vergib!

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Heimatlosen und Flüchtlinge:

Vater, vergib!

Den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet:

Vater, vergib!

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf dich:

Vater, vergib!

Lehre uns, o Herr, zu vergeben und uns vergeben zu lassen, dass wir miteinander und mit dir in Frieden leben.

Darum bitten wir um Christi willen.

»Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einem dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.« (Eph 4,32)

 





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