13. November 2017

Kirchenrat Hofmann erhält den Pfalzpreis


Der Saarbrücker Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann wird für seine Initiative, Mitautoren- und Mitherausgeberschaft bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Evangelischen Kirche der Pfalz ausgezeichnet.

Für das Handbuch „Protestanten ohne Protest. Die evangelische Kirche der Pfalz in der NS-Zeit“ erhält das Herausgeberteam den mit 10.000 Euro ausgelobten „Pfalzpreis für Geschichte und Volkskunde“ 2017.  Die Auszeichnung fand im Pfalztheater in Kaiserslautern statt und wurde vom Vorsitzenden des Bezirksverbandes, dem früheren Frankenthaler Bürgermeister Theo Wieder (CDU), im Rahmen einer festlichen Gala vorgenommen.

Das umfangreiche Werk beschäftigt sich erstmals systematisch und mit neusten geschichtswissenschaftlichen Methoden - abseits von manchen Legendenbildungen nach 1945  - mit  der Rolle der Landeskirche während des Nationalsozialismus, den Versäumnissen von damals und den Lehren, die heute daraus zu ziehen sind.

Gewürdigt wird damit, dass die Initiative zu dem Projekt von Frank-M. Hofmann ausging, dessen Heimatkirche die Evangelische Kirche der Pfalz ist. Gemeinsam mit Dr. Christoph Picker (Leiter der Evangelischen Akademie der Pfalz, Landau), Dr. Klaus Bümlein (pensionierter Oberkirchenrat und Bildungsdezernent der Evangelischen Kirche der Pfalz, Speyer) und Dr. Gabriele Stüber (Leiterin des Landeskirchlichen Archivs, Speyer) hat Hofmann in fünfjähriger Arbeit das NS-Handbuch der pfälzischen Landeskirchen konzipiert und mit einem Team von 60 Autorinnen und Autoren das umfangreiche Werk (911 Seiten, zwei Bände mit Sachbeiträgen und Biogrammen) zusammengestellt.

Als Autor hat Hofmann Beiträge über Zwangsarbeit in Kirche und Diakonie in der NS-Zeit und gemeinsam mit Archivarin Christine Lauer (Speyer) über Seelsorge in der Grenzzone, Westwall  und Evakuierungen im Zweiten Weltkrieg beigesteuert, von denen auch die Saarpfalz, Teil der pfälzischen Landeskirche, sowie das Saarland an der Grenze zu Lothringen hin betroffen waren. Biogramme schrieb er über den einzigen wegen seiner jüdischen Abstammung zur Emigration in die Schweiz gezwungenen Pfälzer Pfarrer Walter Mannweiler (1901-1960) und den Pfälzer Pfarrer Karl Wiedmann (1906-1973), der wegen seiner subversiven Tätigkeit zum entschiedensten Vertreter der Bekennenden Kirche in der Pfalz und Gegner der Nationalsozialisten avancierte.

Hofmann hat ebenso Sorge dafür getragen, dass mit den Theologen Prof.  Joachim Conrad (Püttlingen), dem Akademischem Rat Jörg Rauber (Rohrbach), dem Historiker Jürgen Neumann (Einöd) und dem Vorsitzenden des Heimat-und Kulturvereins Ostertal, Hans Kirsch, weitere saarländische Autoren beteiligt sind und die Sondersituation im Saargebiet sowie die Bedeutung der Saarabstimmung von 1935 Berücksichtigung in der Forschungsarbeit finden. Aktuell arbeitet Hofmann in der neugegründeten AG Gedenkstättenarbeit des Saarländischen Bildungs- und Kulturministeriums mit.

Der auszeichnende Bezirksverband Pfalz ist ein höherer Kommunalverband in der Pfalz im Land Rheinland-Pfalz. Das politische Gremium dieser Gebietskörperschaft ist der Bezirkstag Pfalz. Seine Mitglieder werden von den in den Kommunen vertretenen politischen Gruppierungen aufgestellt und vom Volk in einer Verhältniswahl gewählt. Die politischen Wurzeln des Bezirksverbands reichen bis in die Zeit um die Wende vom 18. zum 19.Jahrhundert zurück.

Seit 1986 vergibt der Bezirksverband zur Förderung und Anerkennung der Erforschung, Dokumentation sowie Darstellung der pfälzischen Heimat, ihrer Wurzeln, Traditionen, Besonderheiten und gesellschaftlichen Zusammenhänge den Pfalzpreis für Geschichte und Volkskunde.

 





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