20. August 2018
Christian Puschke zu einem aktuellen Thema:

Rätsel


Ich schlage die Zeitung auf. Es gibt schlechte Nachrichten, manchmal auch gute. Interessiert lese ich Reportagen zu Entwicklungen in fernen Ländern. Die Wissens-Seite findet meine Aufmerksamkeit und auch der Sportteil. Welche Seite ich aber immer aufschlage ist die mit den Rätseln.

In der Süddeutschen Zeitung gibt es täglich ein Sudoku, ein Str8ts und ein Schwedenrätsel. Begierig mache ich mich darüber her und versinke für einige Minuten ins Rätsel-Lösen.

Was fasziniert mich und viele andere an solchen Rätseln eigentlich? Ich vermute zweierlei. Einmal ist es die Freude daran, die Lösung nach und nach zu entdecken. Das Hirn ist gefordert. Es denkt mal geradeaus, mal quer, mal senkrecht und mal waagerecht. Es greift auf schon Bekanntes zurück und erforscht Neues. Das macht einfach Spaß.

Ein anderer Reiz liegt vielleicht darin, dass man weiß: Es gibt eine Lösung, und zwar genau eine - ich muss sie nur noch finden. Und das ist eine erhebliche Erleichterung gegenüber allem anderem im Leben. Auch im Leben muss ich ständig Lösungen finden - aber es gibt immer mehrere und keine ist die absolut und einzig richtige. Egal, wie ich mich entscheide: Es bleibt ungewiss, ob ich mich richtig entschieden habe.

Der Glaube macht da keine Ausnahme. Er bietet etwas, worauf ich vertrauen kann, aber nicht etwas, wovon ich genau wissen kann, dass es gar keine andere Möglichkeit gibt.

Wenn ich ein Rätsel gelöst habe, verliert es sofort seinen Reiz. Es wird bei Seite gelegt. Fertig. Das ist beim Leben und beim Glauben spannender. Wenn ich eine Lösungsmöglichkeit gewählt habe, wird es erst spannend, wohin sie mich führen wird.


Christian Puschke Pfarrer Christian Puschke

Pfarrer der 1. Pfarrstelle


Spechtweg 10
66333 Völklingen
Telefon: 06898 - 29 990 29




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