14. Juli 2018

Wir tun zu wenig


Das Konzept der Hölle ist mir im Grunde fremd. Ein lebendiger, liebender Gott, der alle Menschen nach seinem Bild geschaffen hat, möchte seine Geschöpfe nicht leiden sehen. Weder nach dem Tod noch davor. Aber viele Menschen leiden – und sie leiden wegen uns.

Ich kann Kaffee trinken, so viel ich möchte – doch für Anbau, Röstung, Verschiffung und Zubereitung einer Tasse Kaffee werden insgesamt 140 Liter Wasser benötigt. Zugleich haben in vielen Regionen der Welt haben Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Ich kann jederzeit Schokolade kaufen und essen – doch viele Kinder von Kakao-Bauern haben keine Möglichkeit zur Schule zu gehen, weil ihre Eltern zu wenig verdienen.

Ich kann T-Shirts für fünf Euro kaufen – doch meine Kleidung wird oft in Asien hergestellt, fast immer von Menschen, deren Löhne in der Regel nicht zur Existenzsicherung reichen.

Ich könnte die Liste noch beliebig fortsetzen… von Hühnerfleischexporten nach Afrika haben Sie vielleicht schon gehört, von Waffenexporten in Krisenländer ganz zu schweigen.

Wir leben auf Kosten anderer, ärmerer Menschen.

Einige dieser Menschen versuchen den Lebensbedingungen in ihrer Heimat zu entkommen. Manche fliehen „nur“ vor Armut, die meisten vor Gewalt, Krieg und Verfolgung – und wir  schlagen ihnen die Tür vor der Nase zu. Schlimmer noch, wir lassen sie buchstäblich ertrinken.

Ja, ich sage „Wir“. Meine Lebensweise führt dazu, dass Menschen leiden und fliehen müssen. Ich bin dagegen, dass Schiffbrüchigen nicht geholfen wird, weil sie Sicherheit suchen. Mit dieser Meinung bin ich nicht allein. Viele Menschen finden die politischen Entscheidungen, die dazu führen, dass Schiffbrüchige nicht gerettet werden, falsch. Trotzdem tun wir wenig.

Was können wir tun? Als erstes sollten wir uns wehren. Alle, die diese Politik für falsch halten, müssen das öffentlich sagen. Teilnehmen zum Beispiel an der Kundgebung „Gegen das Sterben im Mittelmeer. Solidarität mit Geflüchteten“ am Donnerstag, 19.Juli,  ab 17.30 Uhr  vor der Europagalerie in Saarbrücken.

Viel wichtiger: Versuchen, nicht auf Kosten Ärmerer zu leben. Kaffee fair gehandelt kaufen. Firmen meiden, die das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser missachten. Fleisch aus regionaler Produktion vom Bauern oder Metzger essen. Obst und Gemüse regional und saisonal einkaufen. Oder das alles zumindest versuchen.

Schließlich den Monatsspruch vom Juni (und Predigttext für den kommenden Sonntag) ernstnehmen: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt“ (Hebräer 13,2).





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