05. März 2022
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Angst


Da mache ich Erfahrungen, die mir das Leben schwer machen. Als unverbesserlicher Optimist erlebe ich Corona und Ukraine und finde immer öfter keine bessere Antwort als abzuwarten, was noch kommt. Als Mensch, der schon vor 40 Jahren ‚Frieden schaffen ohne Waffen‘ proklamierte, erlebe ich, dass keiner bessere Antworten weiß als aufzurüsten und kann dem wenig entgegensetzen.  

Ich erlebe meine Hilf- und Ratlosigkeit. Ich fühle mich schwach.

Ich könnte natürlich jetzt auftrumpfen. Hättet Ihr schon vor 40 Jahren ernst gemacht mit Frieden und Abrüstung, dann wären wir vielleicht weiter. Hättet Ihr damals Ernst gemacht mit Umwelt und Atomkraft, hätten wir heute keine AKWs mehr, die bombardiert werden, wären wir heute nicht mehr so abhängig von Erdgas und Erdöl. Aber das bringt mich nicht weiter.  Ich muss bekennen: Ach für mich waren manchmal in den vergangenen 40 Jahren andere Themen wichtiger als Umwelt und Frieden. Auch ich habe geglaubt, mit dem Fall der Mauer wären alle Probleme gelöst.

Jetzt muss ich fertig werden mit meiner Hilflosigkeit, meiner Ratlosigkeit. Vor allem aber mit meiner Fassungslosigkeit. Da leiden Menschen und ich kann nicht (oder nur wenig) helfen.

Krieg darf um Gottes Willen nicht sein, das haben wir immer wieder bekannt. Aber Putin interessiert das nicht. Und einer demokratischen Gesellschaft fehlen da plausible Antworten. Weil sie eben nicht über Leichen geht. Darum muss sie Vieles aushalten. Und das Schlimmste ist Unschuldige Menschen müssen es ausbaden. Sie sind in allen Fällen die eigentlichen Opfer eines Krieges.

Angst und Hilflosigkeit bleiben. Und die Pflicht, alles zu tun, Leid zu mindern, Menschen zu helfen.

 

Losung für Samstag, den 5.3.2022:

Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen. Psalm 65,9

Jesus zog von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf. Überall verkündete er die Gute Nachricht, dass Gott jetzt seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden werde.

Lukas 8,1

 

 

Im Gesangbuch steht ein Gebet (eg 963):

Mein Gott, im Augenblick weiß ich allein nicht weiter.

Es ist,

als ob ich den Boden unter meinen Füßen verliere,

als ob mir der Blick nach vorn verschlossen ist.

Ich bin unsicher und habe Angst.

Welche Schritte kann und muss ich tun?

Gewohntes ist auf einmal fraglich,

bislang Bewährtes trägt nicht mehr.

Du, Gott, kennst meine Sorgen, meine Zweifel,

meine Fragen. Ich bitte dich

– um Geduld mit mir und anderen bei der Suche

nach dem Weg, den ich gehen kann

– um die Kraft, die Unsicherheit im Augenblick

auszuhalten, und um die Zuversicht, dass du

mich und die Menschen, die mir wichtig sind,

nicht fallen lässt.

Lass mich darauf vertrauen, dass du mir die Zeit

schenkst, die ich brauche.





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