21. Dezember 2019
Christian Weyer zu einem aktuellen Thema:

Bei Trost


Wenige Tage vor Weihnachten bin ich in Hektik. Ja, bin ich denn noch bei Trost? Das sollen Weihnachtsvorbereitungen sein? Aber es tut mir gut, wenn ich gerade mal neben mir stehe. Weil, wenn ich neben mir stehe, kann ich mich beobachten.

Wenige Tage vor Weihnachten bin ich in Hektik: Gottesdienstvertretungen für erkrankte Kollegen stehen auf der To-Do-Liste. Ideen habe ich, und der ungefähre Ablauf der Gottesdienste steht schon. Aber an den Ansprachen und Predigten muss unbedingt noch gearbeitet werden. Ich ertappe mich dabei, wie ich an drei Gottesdiensten gleichzeitig arbeite.

Daneben der ganz normale Alltag: Postmappen liegen auf meinem Schreibtisch. Briefe wollen gelesen und beantwortet werden. Verwaltungskram wartet auf Erledigung. Sitzungen sollen nach- und vorbereitet werden.

Und schließlich ist für den Heiligen Abend noch einiges an Organisatorischem zu bewältigen: Gerade bin ich mal kurz in die Stadt gelaufen und habe endlich ein noch fehlendes Geschenk aussuchen können. Aber was war das für ein Rummel in den Geschäften! Verschwitzt komme ich zurück – und sitze schon wieder am Schreibtisch.

Und da sitze ich nun und denke über eine Andacht für die Homepage der saarländischen Kirchenkreise nach. Irgendetwas Originelles muss mir doch einfallen …

Ja, bin ich denn noch bei Trost? Das sollen Weihnachtsvorbereitungen sein? Ein Kollege hat einmal spöttisch gesagt: „In der Adventszeit hetzen wir von Besinnung zu Besinnung.“ Oder um es mit Karl Valentin zu sagen: „Wenn die stille Zeit vorbei ist, wird es auch wieder ruhiger.“

Es tut mir gut, dass ich gerade mal neben mir stehe. Weil, wenn ich neben mir stehe, kann ich mich beobachten. Und was ich da sehe, beunruhigt mich. An Weihnachten will ich von der Liebe und der Freude und der Stille predigen, die vom Heiligen Abend ausgeht. Und bei mir selbst brummt der Kreisel. Das geht nicht.

Erst mal gehe ich gleich an die frische Luft. Und wenn ich zurück komme, dann höre ich schöne Weihnachtsmusik und zünde eine Kerze an. Und schließlich lese ich dann noch einmal nach, worum es geht: „Es begab sich aber zu der Zeit …“ Dann bin ich wieder bei Trost.


Superintendent des Kirchenkreises Saar-West
Pfarrer Christian Weyer
Am Ludwigsplatz 5
66117 Saarbrücken
Telefon: 0681 9255233




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