28. November 2020
Michael Hilka, Pfarrer zu einem aktuellen Thema:

Das Licht scheint in der Finsternis


Am ersten Advent feiert die Evangelische Frauenhilfe im Rheinland traditionell ihren Gottesdienst, der dieses Jahr unter dem Motto „Das Licht scheint in der Finsternis“ steht. Im dazugehörigen Vorbereitungsheft habe ich folgende Geschichte gelesen:

Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, wollte er einen der beiden zu seinem Nachfolger einsetzen. Er gab jedem der beiden fünf Silberstücke und sagte: „Ihr sollt für dieses Geld die Halle in unserem Schloss bis zum Abend füllen. Womit, das ist eure Sache.“

Der älteste Sohn ging davon und kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiter dabei waren, das Zuckerrohr zu ernten und in einer Mühle auszupressen. Das ausgequetschte Zuckerrohr lag nutzlos herum. Da dachte er sich: „Das ist eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meines Vaters zu füllen.“ Mit dem Aufseher der Arbeiter wurde er einig, und sie schafften bis zum späten Nachmittag das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle. Als sie gefüllt war, ging er zu seinem Vater und sagte: „Ich habe Deine Aufgabe erfüllt. Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deinem Nachfolger.“

Der Vater antwortete: „Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten.“

Bald darauf kam der jüngere Sohn. Er bat darum, das ausgedroschene Zuckerrohr wieder aus der Halle zu entfernen. So geschah es. Dann stellte er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein.

Der Vater sagte: „Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt. Du hast sie mit dem gefüllt, was die Menschen brauchen, dem lebendigen Licht!“

Dieses philippinische Märchen stimmt uns schon einmal auf die Advents- und Weihnachtszeit ein, denn das Symbol für die kommenden Wochen schlechthin ist ja das Licht. Überall werden jetzt Häuser, Straßen und Geschäfte mit Lämpchen und Kerzen geschmückt.

Das Licht kann dabei für vieles stehen. Als ich 2015 im Kongo war, hat man dasselbe Bild wie im Märchen benutzt, um zu sagen: Die Kirche strahlt in die Dunkelheit hinein. Andere werden mit dem Licht Wärme, Geborgenheit und Liebe verbinden. Im Advent und an Weihnachten steht es für Jesus Christus, den Sohn Gottes, dessen Geburt wir demnächst feiern werden.

Wie genau wir dieses Jahr Weihnachten feiern werden, ist heute zwar noch nicht klar. In allen Kirchengemeinden laufen jedoch schon die Vorbereitungen auf das Fest auf Hochtouren. Einige wollen Weihnachten in den Kirchen feiern, andere gehen in Hallen, auf die Wiese oder ins Fußballstadion und wieder andere streamen ihre Gottesdienste in die Wohnzimmer hinein. Wo auch immer wir dann sein werden: Möge das Licht mit seinem Schein und seiner Wärme unser Leben erfüllen und das Dunkle in uns vertreiben - und das nicht nur an Weihnachten, sondern auch jetzt in der Adventszeit und weit darüber hinaus!

 


Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Michael Hilka, Pfarrer
Vorsitzender des Presbyteriums
66538 Neunkirchen
Telefon: 06821-8530




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