20. Juli 2020

Gedenkfeier für den „Prediger von Buchenwald“ Paul Schneider in Dickenschied


Bei einer Gedenkfeier in seiner Heimatgemeinde in Dickenschied ist dem "Prediger von Buchenwald", Pfarrer Paul Schneider, gedacht worden. Schneider, der Mitglied der Bekennenden Kirche war, wurde im Konzentrationslager Buchenwald von Nationalsozialisten ermordet.

Er verkündete den Gefangenen im KZ Gottes Wort, er widersprach der menschenverachtenden NS-Ideologie und er blieb seinem christlichen Glauben treu bis in den Tod: Paul Schneider, der „Prediger von Buchenwald“. Der Koblenzer Kirchenhistoriker Professor Dr. Thomas Martin Schneider würdigte den damaligen Dickenschieder Pfarrer als „einen wortgewaltigen Propheten“, der Hoffnung gespendet habe in einer offenbar trostlosen Lage.

„Es waren gewaltige Trostworte, die Paul Schneider im KZ Buchenwald mit mächtiger Stimme seinen Mitgefangenen spendete. So mächtig, dass selbst jüdische und kommunistische Häftlinge mitgerissen waren“, betonte der Kirchenhistoriker bei der Gedenkfeier am Todestag Schneiders auf dem Friedhof in Dickenschied. Für den damaligen totalitären Staat seien diese Worte so provozierend gewesen, dass er den Pfarrer mit brutaler Gewalt „immer wieder und dann endgültig zum Schweigen brachte“, so Schneider.

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst“, das habe in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft der Prophet 600 Jahre vor Christi Geburt dem Volk Israel zugesprochen. „In trostloser Lage wagte jemand im Vertrauen auf Gott die bevorstehende Befreiung anzukündigen“, meinte der Koblenzer Kirchenhistoriker. Der Prophet habe damals die Heimkehr des Volkes Israel auch nicht mehr erlebt, genauso wenig, wie Pfarrer Paul Schneider das Ende des Dritten Reiches. Und doch habe er wie der Prophet damals gewusst, dass Gott sein Volk nicht verlässt.

Dieses Wort aus dem Buch des Propheten Jesaja sei 1939, als der Prediger von Buchenwald ermordet wurde, die Jahreslosung gewesen. Ob Paul Schneider ein Heiliger sei oder eher ein politischer Widerstandskämpfer, das bleibe offen. „Aber er war ein Prophet, so wie die Propheten vor 2000 Jahren“, ist Thomas Martin Schneider überzeugt. Darum solle man sich seiner in Ehrfurcht und Dankbarkeit erinnern, ebenso aber auch seiner Frau Margarete, die ihrem Mann ihr ganzes Leben lang die Treue hielt, als Pfarrfrau ebenso wie als auf sich allein gestellte starke Persönlichkeit.

Rund 60 Menschen waren zur Gedenkfeier auf den Dickenschieder Friedhof gekommen, darunter auch zwei der drei noch lebenden Kinder von Paul Schneider, ebenso Superintendent Hans-Joachim Hermes, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Südwest, Pastor Jochen Wagner (Kirchberg) und der frühere Dickenschieder Pfarrer Gerd Westermeyer. Eigentlich hätte auch der Musikverein Dickenschied wieder bei der Gedenkfeier gespielt, doch Corona-bedingt musste der Verein, der 1965 die erste Gedenkfeier für Paul Schneider mit initiierte und seitdem immer beim Gedenken auf dem Friedhof dabei war, absagen. Dafür wurde die Feier von der Band „Schokoladensaite“ aus Mörz musikalisch umrahmt.

Paul Schneider war einer der ersten Pfarrer der „Bekennenden Kirche“, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Weil er die Nazi-Diktatur und deren Ideologie konsequent ablehnte, wurde er mehrmals verhaftet. 1937 schließlich kam er in das KZ Buchenwald bei Weimar. Auch hier predigte er weiter und sprach seinen Mitgefangenen Trost aus der Zelle heraus zu, was ihn zum „Prediger von Buchenwald“ machte. Am 18. Juli 1939 wurde er mit einer Überdosis Stropahnthin ermordet und einige Tage später in Dickenschied unter großer Beteiligung aus der Hunsrücker Bevölkerung und der Bekennenden Kirche auf dem Friedhof beigesetzt.

Auch in Weimar wurde in der Gedenkstätte Buchenwald in einem ökumenischen Gottesdienst an den ermordeten Geistlichen Paul Schneider erinnert. An Kreuzen auf dem ehemaligen Appellplatz des KZ wurden Rosen niedergelegt. Im Fachwerkvorbau neben der Eingangstür zur evangelischen Kirche Dornholzhausen, wo Paul Schneider von 1926 bis 1934 als Pfarrer wirkte, wurde zu seinem Todestag eine Gedenktafel angebracht, die an den Theologen erinnert.





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