16. März 2020

Gemeinsames besonnenes Handeln nötig


Angesichts der Verbreitung des Coronavirus bieten die Evangelischen Kirchengemeinden Seelsorge und Gespräch an, aber auch persönliche Hilfeleistungen und Anleitungen zu häuslichen Gottesdiensten. Einrichtungen wie die Diakonie Saar oder die Akademie im Saarland müssen Angebote einschränken.

„Das Leben entschleunigt sich und es ist Zeit und Raum für Gespräche. Das ist einer der wenigen guten Aspekte des Corona-Virus“, sagt Christian Weyer, Superintendent des Kirchenkreises Saar-West. Angesichts der Verbreitung des Coronavirus im Saarland und in Europa, stünden Pfarrerinnen und Pfarrer selbstverständlich gerade auch für die Sorgen und Ängste, die das Corona-Virus auslöst, als Seelsorgerinnen und Seelsorger in Gesprächen zur Verfügung.

 

Die Landesregierung hat beschlossen, dass derzeit alle Veranstaltungen in Kirchen verboten sind: „Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen. Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften sind untersagt.“ Demnach finden in den Kirchen und Gemeindehäusern ab sofort keine Gottesdienste oder andere Veranstaltungen mehr statt.

 

„Das bedeutet jedoch nicht, dass die öffentliche Verkündigung des Evangeliums, Gemeinschaft der Gemeinde und Seelsorge nicht mehr stattfinden. Dafür müssen nun andere Formen entwickelt und gelebt werden, von denen es bereits zahlreiche gute Beispiele gibt“, schreiben Weyer und Markus Karsch, Superintendent des Kirchenkreises Saar-Ost, in einem Brief an die Gemeinden. Etwa in der Kirchengemeinde Brebach, Fechingen, Bliesransbach: „Sonntags um zehn läuten wir die Glocken der Kirchen und laden zum häuslichen Gottesdienst ein“, erzählt Pfarrer Josef Jirasek. .Wer teilnehmen möchte, brauche lediglich eine Kerze sowie eine Liturgie. „Die lege ich in den Geschäften aus und versende sie per E-Mail.“ Ähnliches gibt es in Schaffhausen oder Landsweiler-Schiffweiler. Andere überlegen kurze Andachten unter freiem Himmel anzubieten. Es gibt Gemeinden, die „online-Gottesdienste“ planen. Zudem verweisen Karsch und Weyer auf die Gottesdienste in Hörfunk und Fernsehen. 

 

Taufen und Trauungen werden verschoben. Damit die Eltern planen können sind auch alle Konfirmationen abgesagt. Sie werden später nachgeholt. Bestattungen können vor den Trauerhallen oder an den Gräbern mit geringer Teilnehmerzahl durchgeführt werden.  

 

„Kirchliches Leben umfasst mehr, als den Gottesdienst am Sonntag oder die Jugendfreizeit oder das große Event. Darum ist jetzt auch die Zeit für die kleinen Dinge, für persönliches Handeln, für direktes Miteinander und vor allem für kreative neue Ideen!“, betont Markus Karsch. So organisiert beispielsweise die Kirchengemeinde St. Johann Hilfeleistungen für Menschen, die das Haus nicht verlassen können oder wollen. Ähnliches gibt es auch anderswo. Die Evangelische Studierendengemeinde bietet Seelsorge an. Studierendenpfarrer Matthias Freudenberg hat „Zehn Tipps für das seelische Corona-Krisenmanagement“ entworfen und an Studierende verschickt.

 

„Um diese Krise zu meistern, braucht es von uns allen gemeinsames besonnenes Handeln, unsere gegenseitige Hilfe und unsere Solidarität – mit anderen Worten: es braucht Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe, wie sie uns Jesus Christus geboten hat“, betonen die Superintendenten.

 

Diakonie muss Angebote einschränken

Auch die Diakonie Saar musste ihre Angebote einschränken. „Im Mittelpunkt steht der Schutz der Menschen und ihrer Gesundheit“, so Geschäftsführer Udo Blank. Die Maßnahmen sollen helfen, der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken.


Die Kinderhäuser in Saarbrücken-Malstatt, Brebach und Völklingen, wie auch das Kinder- und Elternbildungszentrum (KIBIZ) auf dem Malstatter Kirchberg sowie das SoFIT-Angebot an der Turmschule in Dudweiler bleiben geöffnet. Hier findet ein Notbetrieb entsprechend der Richtlinien für Kindertagesstätten und Schulen statt, das heißt es gibt reduzierte Gruppen bis fünf Kinder.


Auch die Wärmestube in Neukirchen bleibt vorerst geöffnet. Hier können sich  Wohnungslose sowie Menschen in prekären Wohnsituationen weiterhin zumindest ein Frühstück abholen. Für die Tafeln arbeitet die Diakonie Saar an Lösungen, die von ihr betriebenen Einrichtungen in Völklingen und Illingen offen zu halten. Hier wird  geprüft, ob ein Bringdienst realisiert werden kann. Auch die Sozialkaufhäuser in Saarlouis, Völklingen und Neunkirchen sind nicht mehr geöffnet.


Schließen mussten die Jugendzentren, die Begegnungsstätte „Café Valz“ in Völklingen, die Bahnhofsmission am Saarbrücker Hauptbahnhof sowie alle offenen Angebote, wie beispielsweise Gruppen für Senioren oder Kinder, vor allem in den Gemeinwesenprojekten in Brebach, Malstatt und Dudweiler. Auch die Familienbildungsstätte hat alle Veranstaltungen abgesagt.


Beratung der Diakonie wird aber weiterhin angeboten, beispielsweise zur Berufsplanung, für Menschen in sozialen Schwierigkeiten oder mit Schulden. Beratungstermine können telefonisch vereinbart werden. 


Auch die Evangelische Akademie im Saarland hat alle Veranstaltungen bis im Juni abgesagt. 

 





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