21. Juli 2022

In Bildung und Ausbildung investieren, Grundsicherung erhöhen!


Stellungnahme der Diakonie Saar und des Evangelischen Büros zum 2. Saarländischen Armuts- und Reichtumsbericht

Die Landesregierung hat den 2. Saarländischen Armuts- und Reichtumsbericht vorgestellt.

Die gute Nachricht: Die Armutsquote ist im Berichtszeitraum nahezu gleichgeblieben.

Die schlechte Nachricht: Die Armutsquote ist im Berichtszeitraum nahezu gleichgeblieben.

Allerdings treten erhebliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen und zwischen Regionen zutage.
So stieg die Einkommensarmutsquote bei Erwerbstätigen um 0,7 Prozent auf 8,1 Prozent, bei Rentner*innen und Hausfrauen / Hausmännern um 1,8 Prozent auf 23,2 Prozent und bei Erwerbslosen um 10 Prozent auf 58,3 Prozent.
Das Risiko, von Armut betroffen zu sein, steigt deutlich an, je geringer die Qualifikation ist.

Alleinerziehende und kinderreiche Familien sind besonders häufig von Armut betroffen.

Mehr als jedes fünfte Kind im Saarland lebte 2019 an oder unter der Armutsschwelle. Bei den jungen Erwachsenen waren es sogar 25 Prozent, also jeder vierte. Besonders erschreckend: 7 Prozent der Schülerinnen und Schüler beendeten die Schule ohne Abschluss.

Ausgaben für Wohnen besonders hoch bei Armutsbetroffenen

Während Haushalte mit mittleren und hohen Einkommen mehrheitlich weniger als ein Drittel des Einkommens für Wohnen ausgeben, muss jeder zweite einkommensarme Haushalt im Saarland zwischen 40 und 60 Prozent und jeder 10. Haushalt sogar mehr als 60 Prozent für Wohnkosten berappen. Von dem ohnehin geringen Einkommen bleibt so noch weniger für Lebenshaltungskosten, Mobilität, Bildung und Teilhabe übrig. Ein Ansparen von Rücklagen ist den Betroffenen nicht möglich.

Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit

Menschen in Armutslagen sind deutlich häufiger von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen und haben eine kürzere Lebenserwartung als Menschen mit höheren Einkommen. Um dem zu begegnen braucht es angepasste Präventionsangebote, die bereits frühzeitig ansetzen.

In Bildung und Ausbildung investieren, um Armut wirksam zu bekämpfen

Dass insbesondere Kinder in Armutslagen in Sachen Bildung hinter ihren Altersgenossen zurückstehen, hat nach Erfahrung der Diakonie und nach Langzeitstudien nicht alleine mit dem Mangel an finanziellen Mitteln zu tun, wird aber durch diesen verursacht. Eltern mit geringem Einkommen sind auf günstigen Wohnraum angewiesen. Dieser findet sich konzentriert in einzelnen Stadtteilen, in denen sich durch den Zuzug Armutsbetroffener soziale Problemlagen ballen. Ressourcen gibt es kaum. Die Kinder wachsen in einem Umfeld auf, das sich deutlich von dem der Stadtgesellschaft insgesamt unterscheidet. Die Teilhabechancen sind vermindert, Eltern und Kinder leiden unter den finanziellen Sorgen. Um dem wirksam begegnen zu können müssen ganzheitliche Bildungsansätze über die schulische Bildung hinaus gestärkt werden. Dazu gehört vor allem, dass jedes Kind einen Kindergartenplatz erhält, dazu gehören aber auch gemeinwesenorientierte Arbeitsansätze in den betroffenen Regionen, ausbildungsbegleitende Hilfen und ganzheitliche Förderprogramme wie Akti(F).

Lage hat sich durch Corona und Inflation zugespitzt

Der Bericht endet in nahezu allen Bereichen im Jahr 2019. Die Situation Armutsbetroffener und von Menschen an der Armutsgrenze hat sich danach, während der beiden Coronajahre und seit der Teuerung deutlich verschärft. Das zeigen die steigenden Zahlen der Beratungs- und Hilfesuchenden in den Beratungsdiensten, der Wohnungsnotfallhilfe und den Tafeln, von denen viele in kirchlicher Trägerschaft sind.

Kurzfristige Hilfen dringend nötig

Angesichts der rasant steigenden Preise und der bereits seit Jahren zu niedrig angesetzten existenzsichernden Leistungen fordern Diakonie und evangelische Kirche eine sofortige Anhebung mindestens um einen Betrag, der die Inflation ausgleicht. Aber auch darüber hinaus müssen gezielt Haushalte unterstützt werden, die die Preissteigerungen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht mehr tragen können.

Wir begrüßen ausdrücklich, dass Sozialminister Dr. Magnus Jung mit der Veröffentlichung des 2. Armuts- und Reichtumsberichts konkrete Planungen für das Saarland und Forderungen in Richtung Bund vorgestellt hat.

Anne Fennel, Geschäftsführerin der Diakonie Saar
Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann, Evangelisches Büro Saarland


Pressemitteilung Stellungnahme



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