05. Juni 2021
Klaus Künhaupt zu einem aktuellen Thema:

Jona am Ende des Lockdowns


Jona hat im Bauch des Fisches gesessen, jetzt hat er ihn an Land gespuckt. Ja, ich weiß auch, dass das biologisch nicht möglich ist. Die Geschichte kann so nicht passiert sein. Okay. Es ist ein Bild, eine Metapher, aber eine sehr gute. Sie passt zu uns.

 Jona war weggeschlossen, isoliert, im Lockdown. Er hatte Zeit, nachzudenken. Gott hatte gewollt, dass er die Misstsände in der großen Stadt endlich anspricht: Stadtteile, in denen große Bevölkerungsanteile völlig abgehängt sind: sprachliche Barrieren machen Bildung fast unmöglich. Hinter vielen Türen vereinsamte alte Menschen und lebensuntüchtige junge. Mietenexplosion durch Privatisierung von Wohnungsbaugesellschaften, Feinstaub und Lärm. Ganz zu schweigen von den Ungerechtigkeiten außerhalb der Stadt: Dem Hunger im Süden, der Zerstörung der Umwelt, dem menschengemachten Klimawandel mit Dürren und Überschwemmungen. Gott hatte gewollte, das Jona das anspricht und ändern hilft. Aber Jona hatte keine Lust. Er will seine Ruhe. Spanien wäre schön. Tarschisch hinter der Straße von Gibraltar. Er geht an Bord eines Schiffes.
Und dann kommt der Sturm. Pandemie. Alles kracht und knackt. Jona hat erstmals selber Angst um sein Leben und seine Zukunft. Der Lockdown rettet ihn. Nun ist der aber auch beendet. Jona steht am Strand. Er sieht es ein: Es geht so nicht weiter. Jona geht los.





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