02. Juli 2022
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

No problem – alles Katastrophe


Die erste richtige Urlaubssaison nach zwei Jahren und dazu 9-Euro-Tickets. Uns geht es gut.

Vielleicht sogar zu gut. Jedenfalls werden die Schlagzeilen nicht beherrscht von Begeisterung und Jubel. Eher von Katastrophenmeldungen. Und mit dem Begriff ‚Katastrophe‘ ist dann nicht das Leiden der Menschen in der Ukraine gemeint, auch nicht der Hunger in der Welt oder die Unterdrückung in Hongkong.

‚Katastrophe‘, so habe ich gestern im ‚aktuellen Bericht‘ gelernt ist die Verkehrssituation durch die Sperrung der A620, die viele bremst.

‚Katastrophe‘ ist die Situation auf Flughäfen, wo Menschen fortwollen, aber nicht können.

‚Katastrophe‘, wenn Menschen nicht in ‚ihren‘ Bus einsteigen können, weil er überfüllt ist.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Ich ahne welche Folgen das hat, wenn Menschen ihre Termine verpassen oder ihre Ziele nicht (pünktlich) erreichen. Ich weiß auch, wie ewiges Warten an den Nerven zerrt. Ich bin selber ein ganz schlechter und ungeduldiger Warter. Aber vielleicht sollten wir mehr auf unsere Worte achten, um sie nicht zu entwerten. Eine ‚Katastrophe‘ war das, was vor einem Jah an der Ahr passiert ist und deren Folgen noch heute deutlich sind. Katastrophen passieren auch heute immer wieder. Egal ob Erdbeben in Afghanistan oder Krieg in der Ukraine, Hungersnot in weiten Teilen der Welt oder Überschwemmungen in Italien.

Und natürlich passieren in Familien, in Freundschaften oder Vereinen manche Katastrophen, weil Menschen ein Unglück passiert.

Aber zwei Stunden im Stau stehen oder 12 Stunden auf dem Flughafen sind keine Katastrophe. Sie sind eine Störung, eine Belastung, etwas, das ich nicht brauche, durch sorgfältige Planung vielleicht sogar hätte verhindern können.

Es hilft nichts das eigene Ergehen durch starke Begriffe groß zu reden. Wir entwerten damit höchstens die wahren Katastrophen, reden sie klein. Wenn doch bei uns schon dauernd Katastrophen passieren, sehen die ‚Katastrophen‘ in der Welt vielleicht nicht ganz so düster aus.

Vielleicht müssen wir alle doch mehr auf unsere Sprache achten und die Dinge beim richtigen Namen nennen, dass wir die wirklichen Katastrophen sehen und unsere Missgeschicke einordnen können.

 

Losung für Samstag, den 2.7.2022:

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Psalm 139,9-10

Jesus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Matthäus 28,20

 

Im Gesangbuch steht ein Gebet zum Urlaub (eg 960):

Wir danken dir, du freundlicher Gott,

dass wir ausspannen dürfen

und Zeit füreinander haben.

Lass uns Abstand von der Arbeit gewinnen

und neue Kraft schöpfen.

Du zeigst uns die Wunder der Natur

und die Schönheiten der Kunst.

Du lässt uns andere Menschen kennenlernen

und machst unser Leben reicher.

Lass uns gestärkt an Leib und Seele

nach Hause zurückkehren.





Zurück