28. Januar 2020

Preis der ökumenischen Jury beim Filmfestival Max Ophüls Preis für „Jiyan“


Der Film „Jiyan“ von Regisseurin Süheyla Schwenk erhielt beim diesjährigen Filmfestival Max Ophüls in Saarbrücken den mit 2.500 Euro dotierten Preis der ökumenischen Jury. Das Preisgeld wird von der Evangelischen und Katholischen Erwachsenenbildung gemeinsam zur Verfügung gestellt.

 „Jiyan“ erzählt die Geschichte von Harun und Hayyat, die nach ihrer Flucht aus Syrien versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen. Doch der Neubeginn gestaltet sich schwieriger als gedacht. In Berlin wohnen sie in einem kleinen Zimmer bei Haruns Onkel Irfan, der ihnen mit den Asylanträgen und bei den Behördengängen unter die Arme greift. Seine Frau Gülsüm hingegen kann ihre Abneigung gegenüber Hayat, die kurdische Wurzeln hat, nicht verbergen. Hayat fühlt sich gefangen in ihren paar Quadratmetern Deutschland und muss Gülsüms abfällige Bemerkungen und das bewusste Ignorieren der Privatsphäre ertragen. Aber als ihr Sohn das Licht der Welt erblickt und Harun einen Job auf einer Baustelle findet, scheint sich alles zum Guten zu wenden – bis Harun plötzlich verschwindet.

In der Begründung der Jury heißt es: „Jiyan ist ein eindringliches Kammerspiel, das durch das Zusammenwirken von Kamera und Szenenbild noch verstärkt wird. Sowohl der Umgang mit den Vorurteilen im System Familie als auch entwürdigende gesellschaftliche Realitäten werden vor Augen geführt. Gerade die Verweigerung unnötiger größerer dramatischer Bögen zugunsten des Fokus auf die alltäglichen Sorgen und Nöte im Privaten, bringt uns die Protagonistinnen und Protagonisten als Menschen nahe.“ Klug geschrieben, erzähle der Film präzise das Leben einer jungen syrisch/ kurdischen Familie bei ihren Verwandten in Deutschland. 

„Am Ende steht die Frage: Was ist ein Menschenleben wert?“, sagt Hermann Kocher, Jurymitglied aus der Schweiz. Für ihn erzählt der Film berührend, nicht nur die Schwierigkeiten im Herkunftsland und auf der Flucht, sondern auch nach dem Ankommen.

Théo Peporté, Jury-Präsident aus Luxemburg, war wieder begeistert vom Max-Ophüls-Festival. Es komme beim Publikum gut an, viele Vorführungen seien ausverkauft gewesen. „Der junge Film bietet eine große inhaltliche Vielfalt und hohe Qualität“, sagt Péporté.

Birgit Persch-Klein, von der katholischen Erwachsenenbildung in die Jury entsandt, war von der großen thematischen Vielfalt begeistert. Die jungen Filmemacher gingen sehr sensibel mit den Themen Leiden und Tod um.

 

Hauptpreis für „Neubau“


Der Film „Neubau“ über einen Transmann in der Uckermark und seinen Traum von Berlin hat den Hautpreis des 41. Filmfestivals Max Ophüls Preis gewonnen. „Es gibt Filme, die sind leise, aber sie wirken lange nach“, urteilte die Jury. Der Hauptpreis ist mit 36.000 Euro dotiert. Der Film von Regisseur Johannes Maria Schmitt sowie Drehbuchautor und Hauptdarsteller Tucké Royale bekam auch den Preis für den gesellschaftlich relevanten Film in Höhe von 5.000 Euro. Insgesamt traten seit Dienstag 63 Filme in den Wettbewerben an, davon konkurrierten 16 in der Kategorie Spielfilm.

Als bester Schauspielnachwuchs wurden Maresie Riegner für ihre Rolle in „Irgendwann ist auch mal gut“ und Mehdi Meskar für seine Darstellung in „Nur ein Augenblick“ geehrt. Den Dokumentarfilmpreis gewann Yulia Lokshina für „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“. Der Film begleitet Leiharbeiter, Aktivisten und Schüler und beleuchtet Bedingungen und Facetten von Leiharbeit und Arbeitsmigration in Deutschland.

Der Max Ophüls Preis ist eines der bedeutendsten Filmfestivals für Nachwuchsfilmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Benannt ist es nach dem in Saarbrücken geborenen Regisseur Max Ophüls (1902-1957). epd/ hp

 





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