25. April 2020
Rudolf Renner zu einem aktuellen Thema:

Vertrauen – welch eine Zumutung!


Was für ein Zufall! Da lese ich am 23. April als Ergänzung zur biblischen Losung einen Satz aus dem Hebräerbrief im Neuen Testament: „Werft euer Vertrauen nicht weg, denn es wird reich belohnt werden.“

Vertrauen – was für eine Zumutung in diesen Wochen! In einer Pressemeldung des Redaktionsnetzwerkes Deutschland von Mitte März steht: „Gerade angesichts der dynamischen, schwer vorhersehbaren Entwicklungen und der großen Unsicherheit in Bezug auf die Folgen und richtigen Maßnahmen zur Eindämmung spielt das grundsätzliche Vertrauen der Menschen eine zentrale Rolle”. Und: „Angesichts der Unsicherheit bedarf es des grundsätzlichen Vertrauens in die Institutionen und handelnden Personen, gerade wenn weiterreichende Eingriffe in die persönliche Freiheit und wirtschaftliche Prozesse ungekannten Ausmaßes stattfinden.”

Wir sind alle auf Vertrauen angewiesen, nicht erst in Coronazeiten – Vertrauen in einer Partnerschaft oder Familie, Vertrauen am Arbeitsplatz oder im Verein, Vertrauen in der Kirchengemeinde oder in unserer Gesellschaft, Vertrauen in Gott und seine Zusage, uns Menschen zu halten. Und nicht zuletzt (und das allein ist schon schwierig genug!): Vertrauen in uns selbst.

Warum ist dieses „Vertrauen-Haben“ grundsätzlich so wichtig? Wer schon einmal erlebt hat, wie Misstrauen eine Beziehung zerfrisst oder eine Freundschaft zerstört, braucht gar keine Erklärung dafür. Er oder sie weiß, wie gut es tut, sich auf einen anderen Menschen einfach verlassen zu können. Da wird einem selbst Nähe und Wärme geschenkt und man erfährt, dass man dem oder der anderen sehr viel wert ist. Menschen, die erfahren haben, dass Gott ihnen in schweren Zeiten Kraft gegeben und einen Weg gezeigt hat, vertrauen ihm zutiefst. Das ist für mich die Belohnung aus dem Satz des Hebräerbriefes.

Aber geht das denn auch in diesen Zeiten, wo so viel anders ist? Ich behaupte: Es ist grade jetzt besonders wichtig. Wenn sich ringsum so viel auflöst und unsicher scheint, wenn dieses Virus für uns unsichtbar und heimtückisch ist, wenn viele unserer Freiheiten eingeschränkt werden, dann sind viele Menschen sehr verunsichert und hilflos. Eine Möglichkeit, darauf zu reagieren, ist es, billigen Rattenfängern hinterher zu laufen. Eine andere Möglichkeit ist es, nur noch misstrauisch durch die Gegend zu laufen und nichts und niemandem mehr zu trauen.

Es gibt sicher noch einige Möglichkeiten mehr. Ich wünsche mir aber, dass wir grade jetzt unser Vertrauen ineinander, in Verantwortungsträgerinnen und –träger und in Menschen, die neue Wege aufzeigen, verstärken und vertiefen. Das heißt ja nicht, dass wir nicht auch um angemessene Maßnahmen streiten. Aber wenn wir uns dabei doch im Grunde vertrauen, drückt unser Austausch Respekt und Wertschätzung aus. Und darauf sind wir angewiesen, jetzt und auch zu anderen Zeiten.





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