11. April 2020
Christian Weyer zu einem aktuellen Thema:

Was für eine starke Hoffnung!


Eine 88-jährige Frau schreibt mir eine Karte. Sie lebt im Altersheim. Dieser Gruß hat mich zu Tränen gerührt. Ich werde durch diesen Gruß daran erinnert, was wesentlich ist, wenn nichts anderes mehr da ist. Was auch gerade in diesen Tagen, an denen wir das Osterfest begehen, wesentlich ist.

Eine 88-jährige Frau schreibt mir eine Karte. Sie lebt im Altersheim. Mit dieser Karte bedankt sie sich für meinen Geburtstagsgruß. Mit gestochen scharfer Schönschrift hat sie jeden Buchstaben sorgfältig auf die Karte gebracht. Dazwischen ein paar bunter Sticker eingeklebt. Ihr Schreiben beginnt mit einem Zitat aus einem Gesangbuchlied:
„Quält dich ein schwerer Sorgenstein,
dein Jesus wird ihn heben;
es kann ein Christ bei Kreuzespein
in Freud und Wonne leben.
wirf dein Anliegen auf den Herrn
und sorge nicht, er ist nicht fern,
weil er ist auferstanden.“ (eg 114,4)

Ich gestehe: Dieser Gruß hat mich zu Tränen gerührt und er steht zurzeit auf meinem Schreibtisch. Das muss man sich mal vorstellen: Wir Pfarrerinnen und Pfarrer machen uns gerade Gedanken um die Menschen, die in den Senioreneinrichtungen leben. Wie kaum eine andere Menschengruppe in unserem Land sind sie vom Corona-Virus bedroht. Deshalb werden ihre Häuser hermetisch abgeriegelt. Meine Mutter lebt in einem Seniorenheim. Von ihr weiß ich, wie schwierig es ist, wochenlang von der Außenwelt abgeriegelt zu sein. In vielen Kirchengemeinden werden deshalb Grüße in Seniorenheime geschickt, Chöre stellen sich in die Innenhöfe und singen Lieder, Kinder malen Bilder für die alten Menschen.

Und nun erreicht mich von einer Frau in einer solchen Situation solch ein starkes Zeichen der Hoffnung des Trostes. Ich bin überwältigt. Und dankbar. Ich werde durch diesen Gruß daran erinnert, was wesentlich ist, wenn nichts anderes mehr da ist. Was auch gerade in diesen Tagen, an denen wir das Osterfest begehen, wesentlich ist. Nämlich der Glaube an Jesus Christus, der den Tod überwunden hat. Seine Auferstehung sagt uns, dass wir niemals allein sind, dass wir niemals verloren sind und dass letztlich nicht das Nichts auf uns wartet, sondern neues Leben bei Gott.

Was für eine starke Hoffnung! Was für ein beeindruckendes Zeichen des Glaubens! Ich bin dankbar für diese Grußkarte gerade in diesen Tagen. Und ich stimme ein in den Ruf, mit der der Gruß der alten Dame endet: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“


Superintendent des Kirchenkreises Saar-West
Pfarrer Christian Weyer
Am Ludwigsplatz 5
66117 Saarbrücken
Telefon: 0681 9255233




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